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Internet für Arztpraxen: Anschluss, TI-Zugang und Ausfallschutz planen

Welche Internetverbindung eine Arztpraxis braucht, hängt von drei Dingen ab: den genutzten Anwendungen, den Folgen einer Störung und dem Zugangsweg zur Telematikinfrastruktur (TI). Planen Sie Internetanschluss, Praxisnetz und TI-Zugang als getrennte Bausteine mit klaren Zuständigkeiten.

Beim TI-Gateway ist das besonders wichtig. Der TI-Zugang läuft dort über eine VPN-Verbindung in das Rechenzentrum eines zugelassenen Anbieters. Ohne funktionierende Internetverbindung fehlt deshalb auch der Zugang zur TI.

Welche Anwendungen sind auf die Verbindung angewiesen?

Beginnen Sie mit einer Bestandsaufnahme:

  • Wo läuft Ihr Praxisverwaltungssystem?
  • Welche Daten werden extern gespeichert?
  • Nutzen Sie Videosprechstunden, Cloud-Telefonie oder externe Datensicherungen?
  • Welche Anwendungen brauchen während der Sprechstunde ständig eine Verbindung, und welche können warten?

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Bereich

Frage an die Praxis-IT

Bedeutung für die Anschlussplanung

Praxisverwaltung

Lokal installiert, extern gehostet oder mit einzelnen Cloud-Funktionen?

Abhängigkeiten und Verhalten bei Unterbrechungen klären

TI-Anwendungen

Konnektor vor Ort oder TI-Gateway im Rechenzentrum? Wer betreut den Zugang?

Internet, TI-Zugang und Anwendungssupport zuordnen

Videosprechstunde

Wie viele Gespräche laufen gleichzeitig?

Upload und Verbindungsqualität berücksichtigen

Telefonie

Wie werden Anrufe bei einer Anschlussstörung angenommen?

Erreichbarkeit und Ersatzweg festlegen

Datensicherung

Welche Datenmengen werden wann übertragen?

Uploadbedarf und Zeitfenster abstimmen

Wie viel Bandbreite braucht eine Arztpraxis?

Eine pauschale Zahl je Behandlungszimmer bildet die Unterschiede zwischen Praxen nicht zuverlässig ab. Entscheidend ist, was gleichzeitig passiert. Wichtige Treiber sind Videosprechstunden, Cloud-Anwendungen, Telefonie und nächtliche oder tägliche Datensicherungen. Bewerten Sie Download und Upload getrennt. Gerade Datensicherung und Videosprechstunde belasten den Upload.

Nutzen Sie vorhandene Messwerte und die Anforderungen Ihrer Softwareanbieter. Der Bandbreitenrechner unterstützt die erste Einschätzung nach Arbeitsplätzen und Anwendungen. Der Upload-Zeitrechner zeigt, ob eine Datensicherung in das vorgesehene Zeitfenster passt. Was die Qualität von Telefonie und Video bestimmt, erklärt der Beitrag Cloud, VoIP und Video.

TI-Gateway, Konnektor und Internet: Was hängt wovon ab?

Der Internetanbieter stellt die Verbindung bereit. Der Zugang zur Telematikinfrastruktur benötigt eigene Komponenten und Dienste. Je nach Zugangsweg betreibt die Praxis einen Konnektor vor Ort oder nutzt ein TI-Gateway.

Beim TI-Gateway verbindet sich die Praxis über eine sichere VPN-Verbindung mit dem Rechenzentrum eines zertifizierten Anbieters. Von dort wird der Zugang zur TI hergestellt. Ein eigener Einbox-Konnektor vor Ort entfällt. Laut gematik ist ein TI-Zugang mit dem TI-Gateway ohne VPN-Verbindung nicht möglich. Routing und Einstellungen im lokalen Netz müssen dafür angepasst werden. Kartenterminals und Clientsysteme richtet weiterhin ein Dienstleister vor Ort ein (TI-Gateway bei der gematik).

Lassen Sie deshalb vor einem Anschlusswechsel die Anforderungen Ihres TI-Anbieters durch Ihre Praxis-IT prüfen. Ein funktionierendes Internet allein belegt nicht, dass alle TI-Anwendungen laufen. Umgekehrt ist eine gestörte TI-Anwendung nicht automatisch ein Fehler des Internetanschlusses. Notieren Sie für jeden Bereich einen Ansprechpartner. So muss das Praxisteam bei einer Störung nicht ohne klare Zuständigkeit zwischen mehreren Hotlines wechseln.

Praxisnetz und Gäste-WLAN sauber trennen

Ein Wartezimmer-WLAN darf keinen Zugriff auf Praxisrechner, Verwaltungssysteme oder medizinische Geräte ermöglichen. Lassen Sie die Trennung technisch umsetzen und prüfen. Ein zusätzlicher WLAN-Name allein ist dafür kein ausreichender Nachweis.

Dokumentieren Sie außerdem, wer Router, Firewall und WLAN betreut, Updates einspielt und Änderungen freigibt. Die IT-Sicherheitsrichtlinie nach § 390 SGB V unterscheidet nach Praxisgröße. Gezählt werden die Personen, die ständig mit der Datenverarbeitung betraut sind:

  • Praxis: bis zu fünf Personen
  • Mittlere Praxis: sechs bis zwanzig Personen
  • Großpraxis: mehr als zwanzig Personen oder eine deutlich darüber hinausgehende Datenverarbeitung

Die Praxishinweise der KBV zur IT-Sicherheitsrichtlinie ordnen die Anforderungen danach. Ein bestimmter Anschlusstarif stellt die Einhaltung nicht sicher. Die Umsetzung gehört in die Planung mit Ihrem IT-Dienstleister.

Was soll bei einem Internetausfall weiterlaufen?

Legen Sie einen realistischen Mindestbetrieb fest. Vielleicht sollen zunächst Telefonie, TI-Zugang und einzelne Praxisanwendungen verfügbar bleiben, während große Uploads und das Gäste-WLAN pausieren. Diese Prioritäten bestimmen, welche Ersatzverbindung Sie brauchen. Was ein Ausfall Ihre Praxis an gebundener Arbeitszeit kostet, schätzt der Ausfallkosten-Rechner.

Mobilfunk kann ein zweiter Zugangsweg sein. Prüfen Sie dafür:

  • den Empfang am tatsächlichen Aufstellort
  • das Datenvolumen
  • ob Ihr Router Mobilfunk unterstützt
  • die Anforderungen Ihrer Anwendungen und des TI-Zugangs

Eine automatische Umschaltung kann bestehende Sitzungen und VPN-Verbindungen unterbrechen. Testen Sie deshalb auch den anschließenden Wiederaufbau.

Eine zweite Leitung schützt nicht automatisch vor einem Stromausfall, einer defekten gemeinsamen Firewall oder einer Störung beim Anwendungsanbieter. Der Ratgeber zu unabhängigen Backup-Anschlüssen hilft, gemeinsame Schwachstellen zu erkennen. Welche Entstörungszeiten ein Vertrag tatsächlich zusagt, erklärt der Beitrag SLA und Entstörungszeit.

Checkliste für die Anschlussentscheidung

  • Anwendungen und Anforderungen mit Praxis-IT und TI-Dienstleister erfasst
  • TI-Zugangsweg (Konnektor oder TI-Gateway) und dessen Netzanforderungen bekannt
  • Download und Upload anhand der gleichzeitigen Nutzung dimensioniert
  • Servicezeiten mit den tatsächlichen Praxiszeiten abgeglichen
  • Zuständigkeiten für Internet, Praxisnetz, Telefonie und TI dokumentiert
  • Ersatzverbindung eingerichtet und in einem abgestimmten Test geprüft
  • Kurzanleitung für das Praxisteam hinterlegt: Was prüfen, wen anrufen, welche Angaben bereithalten?

Führen Sie Umschalt- und Ausfalltests außerhalb der Sprechzeiten durch. Verwenden Sie für technische Funktionstests nach Möglichkeit Testdaten statt echter Patientendaten.

Häufige Fragen

Braucht jede Arztpraxis Glasfaser?

Nicht zwingend. Die passende Anschlussart ergibt sich aus Verfügbarkeit, Anwendungen und betrieblichen Anforderungen. Glasfaser ist besonders bei hohem Uploadbedarf, Videosprechstunden oder wachsender Cloud-Nutzung interessant. Sie ersetzt aber weder die Netzplanung noch ein Ausfallkonzept.

Wie viel Bandbreite braucht eine Arztpraxis?

Das hängt von Cloud-Nutzung, Videosprechstunden, Datensicherung und gleichzeitigen Zugriffen ab. Tragen Sie die Anforderungen Ihrer konkreten Anwendungen zusammen und bewerten Sie Download und Upload getrennt. Eine Entscheidung allein nach der Zahl der Mitarbeitenden ist zu ungenau.

Was passiert mit der TI, wenn das Internet ausfällt?

Beim TI-Gateway läuft der TI-Zugang über eine VPN-Verbindung ins Rechenzentrum. Ohne Internetverbindung ist dieser Zugang nicht möglich. Klären Sie mit Praxis-IT und TI-Anbieter, welche Abläufe dann gelten und ob eine Ersatzverbindung den TI-Zugang trägt.

Funktioniert die TI über eine Mobilfunk-Ersatzverbindung?

Das muss der eingesetzte TI-Zugangsweg unterstützen. Lassen Sie es durch Praxis-IT und TI-Anbieter bestätigen und vorab testen. Eine allgemeine Zusage für jede Konfiguration wäre nicht belastbar.

Wer hilft bei einer Störung?

Halten Sie getrennte Kontakte für den Internetanschluss, die Praxis-IT und den TI-Dienst bereit. Vereinbaren Sie, wer die erste Eingrenzung übernimmt. Wie Sie eine Anschlussstörung so melden, dass sie schnell bearbeitet wird, steht im Beitrag Internetstörung richtig melden.

Anschlussmöglichkeiten für Ihre Praxis prüfen lassen

Nennen Sie GFU Ihre Praxisadresse, die wichtigsten Anwendungen und den gewünschten Betriebsstart. Wir unterstützen bei der Auswahl passender Internetanschlüsse. Die technische Abstimmung erfolgt gemeinsam mit Ihrer zuständigen Praxis-IT.

Recherche und Einordnung: 5. November 2026. Quellen: gematik: TI-Gateway und KBV: Praxishinweise zur IT-Sicherheitsrichtlinie. Keine medizinische oder rechtliche Beratung. GFU erbringt keine TI-Dienstleistungen.

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