Welche Bandbreite braucht mein Unternehmen?

So bestimmen Sie die passende Internetgeschwindigkeit für Anwendungen, Arbeitsabläufe und Standorte

Viele Unternehmen wählen ihren Internetanschluss zunächst nach Preis, verfügbarer Maximalgeschwindigkeit oder Anzahl der Mitarbeitenden. Für eine belastbare Entscheidung reicht das nicht aus. Entscheidend ist, welche Anwendungen genutzt werden, wie viele Personen gleichzeitig darauf zugreifen und welche Geschäftsprozesse von der Verbindung abhängen.

Die passende Bandbreite ist deshalb keine feste Zahl für eine bestimmte Unternehmensgröße. Sie ergibt sich aus dem tatsächlichen Nutzungsprofil. Zusätzlich sollten geplantes Wachstum, neue Cloud-Dienste und regelmäßig auftretende Lastspitzen berücksichtigt werden.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Nicht die Gesamtzahl der Mitarbeitenden, sondern die gleichzeitige Nutzung bestimmt einen wesentlichen Teil des Bedarfs.

  • Cloud-Anwendungen, Videokonferenzen, Datensicherungen und große Dateiübertragungen können unterschiedliche Anforderungen verursachen.

  • Der Upload kann für Unternehmen ebenso relevant sein wie der Download.

  • Mehrere Standorte und geschäftskritische Anwendungen erfordern eine gesonderte Betrachtung.

  • Ziel ist nicht die größtmögliche, sondern eine passend dimensionierte und anpassbare Lösung.

Warum es keine pauschale Bandbreitenempfehlung gibt

Zwei Unternehmen mit derselben Zahl an Mitarbeitenden können einen vollkommen unterschiedlichen Bandbreitenbedarf haben. Während in einem Betrieb überwiegend E-Mails bearbeitet und webbasierte Fachanwendungen genutzt werden, arbeitet ein anderer intensiv mit Videokonferenzen, Cloud-Speichern, zentralen Servern oder großen Planungs- und Mediendateien.

Auch die Arbeitsorganisation spielt eine Rolle. Wenn viele Beschäftigte gleichzeitig auf Cloud-Anwendungen zugreifen, Daten übertragen oder an Online-Meetings teilnehmen, entstehen andere Lastsituationen als bei einer zeitlich verteilten Nutzung.

Bei der Planung sollte daher nicht nur die theoretisch verfügbare Geschwindigkeit betrachtet werden. Relevant ist, ob der Anschluss die geschäftlichen Anwendungen im Arbeitsalltag angemessen unterstützt. Weitere grundsätzliche Unterschiede erläutert die Wissensseite Internet für Privat- und Geschäftskunden.

Welche Faktoren bestimmen den Bandbreitenbedarf?

Anzahl der gleichzeitig aktiven Nutzer

Die Zahl der Mitarbeitenden ist ein erster Anhaltspunkt. Aussagekräftiger ist jedoch, wie viele Personen gleichzeitig auf internetbasierte Anwendungen zugreifen.

Ein größeres Unternehmen mit zeitlich verteilter Nutzung kann einen anderen Bedarf haben als ein kleineres Team, das nahezu vollständig in der Cloud arbeitet und regelmäßig mehrere Videokonferenzen parallel durchführt.

Art und Intensität der Anwendungen

E-Mail und gewöhnliche Webzugriffe erzeugen in der Regel weniger Datenverkehr als Videokonferenzen, Cloud-Synchronisationen oder umfangreiche Dateiübertragungen. Entscheidend ist zudem, ob mehrere datenintensive Vorgänge gleichzeitig stattfinden.

Cloud- und SaaS-Nutzung

Je mehr Anwendungen aus lokalen Systemen in die Cloud verlagert werden, desto stärker hängt der Arbeitsalltag von der Internetverbindung ab. Das betrifft beispielsweise Bürosoftware, Warenwirtschaft, CRM-Systeme, Dokumentenmanagement und externe Datenspeicher.

Upload und Download

Beim Abruf von Webseiten oder Dokumenten steht meist der Download im Vordergrund. Das Versenden großer Dateien, externe Datensicherungen, Cloud-Synchronisationen und eigene Serverdienste beanspruchen dagegen den Upload.

Standorte und Vernetzung

Bei mehreren Niederlassungen ist nicht nur der Internetzugang eines einzelnen Standorts relevant. Auch der Datenverkehr zwischen Standorten, Cloud-Plattformen, Rechenzentren und externen Arbeitsplätzen muss berücksichtigt werden.

Wachstum und Lastspitzen

Eine ausschließlich am heutigen Durchschnitt orientierte Planung kann bei veränderten Anforderungen zu knapp werden. Neue Mitarbeitende, zusätzliche Cloud-Dienste oder eine stärkere Nutzung von Video und Datenspeichern verändern das Nutzungsprofil.

Eine angemessene Reserve kann deshalb sinnvoll sein. Wie groß sie ausfallen sollte, hängt von den erwarteten Veränderungen und der technischen beziehungsweise vertraglichen Erweiterbarkeit des Anschlusses ab.

Qualitative Orientierung nach Unternehmenssituation

Die folgende Tabelle nennt bewusst keine feste Bandbreite. Sie hilft dabei, typische Nutzungssituationen einzuordnen und die für eine Tarifentscheidung benötigten Informationen zusammenzustellen.

Unternehmenssituation

Typische Anwendungen

Mögliche Engpässe

Vor der Tarifwahl messen oder prüfen

Überwiegend klassische Büroarbeit

E-Mail, Webzugriffe, einzelne Cloud-Anwendungen und gelegentliche Online-Meetings

Viele gleichzeitige Zugriffe, Software-Updates oder größere Downloads

Gleichzeitige Nutzer, Auslastung zu Hauptarbeitszeiten sowie vorhandener Up- und Download

Cloud-zentrierte Arbeitsweise

Microsoft 365 oder vergleichbare Dienste, CRM, Warenwirtschaft, Dokumentenmanagement und Cloud-Speicher

Verzögerungen bei paralleler Nutzung, Synchronisationen oder umfangreichen Datenzugriffen

Zahl gleichzeitig genutzter Cloud-Dienste, Lastspitzen, Reaktionszeiten und Abhängigkeit der Arbeitsprozesse

Viele parallele Video- und Audiokonferenzen

Videokonferenzen, Webinare, VoIP-Telefonie und Bildschirmübertragungen

Stockende Übertragung, Qualitätsverluste oder Beeinträchtigung anderer Anwendungen

Zahl paralleler Sitzungen, Up- und Download während Spitzenzeiten sowie beobachtete Verzögerungen

Regelmäßige Backups und große Dateiübertragungen

Cloud-Backups, Medien-, Planungs- oder Produktionsdaten und Datenaustausch mit Partnern

Ausgelasteter Upload, lange Übertragungszeiten oder Konkurrenz mit dem Tagesgeschäft

Datenvolumen, Übertragungsrichtung, Zeitfenster, Häufigkeit und Auswirkungen auf andere Anwendungen

Eigene Server oder zentrale IT-Dienste

Extern erreichbare Systeme, zentrale Datenhaltung, Rechenzentrums- oder Cloud-Anbindungen

Begrenzter Upload, verzögerte externe Zugriffe oder Engpässe bei parallelen Verbindungen

Ein- und ausgehender Datenverkehr, Lastverteilung, betriebliche Kritikalität und technische Anforderungen

Mehrere Standorte oder hybride Teams

Standortübergreifende Systeme, Cloud-Dienste, VPN-Zugriffe und gemeinsame Datenbestände

Engpässe an einzelnen Standorten oder bei zentral bereitgestellten Anwendungen

Datenströme je Standort, zentrale Übergabepunkte, gleichzeitige externe Zugriffe und Abhängigkeiten

Wachsendes oder sich digitalisierendes Unternehmen

Neue Cloud-Anwendungen, zusätzliche Arbeitsplätze, digitale Zusammenarbeit und steigende Datenmengen

Anschluss wird durch neue Prozesse oder mehr Parallelität zu knapp

Erwartete Entwicklung, geplante Anwendungen, Erweiterbarkeit des Anschlusses und Vertragslaufzeiten

Die Mitarbeiterzahl kann in allen Situationen als Planungsgröße einfließen. Sie sollte jedoch nie allein zur Auswahl einer festen Anschlussgeschwindigkeit verwendet werden.

Warum der Upload ebenso wichtig sein kann

Viele Anschlussangebote werden vor allem über ihre Downloadgeschwindigkeit beschrieben. Im Unternehmensalltag kann jedoch auch der Upload zum begrenzenden Faktor werden.

Das betrifft insbesondere:

  • Datensicherungen in externe Systeme

  • Synchronisationen mit Cloud-Speichern

  • das Versenden großer Dateien

  • Videokonferenzen

  • den Betrieb eigener Dienste

  • den Datenaustausch zwischen mehreren Standorten

Werden regelmäßig große Datenmengen nach außen übertragen, sollte geprüft werden, welche Uploadleistung tatsächlich verfügbar ist und wie sich gleichzeitige Übertragungen auf andere Anwendungen auswirken.

Ob ein Anschluss mit gleicher Up- und Downloadgeschwindigkeit erforderlich oder wirtschaftlich sinnvoll ist, lässt sich nur anhand des konkreten Nutzungsprofils beurteilen.

Informationen zur zugrunde liegenden Übertragungstechnik bietet der Beitrag Wie funktioniert Glasfaser?.

Mehrere Standorte und geschäftskritische Anwendungen

Bei mehreren Standorten sollte der Bedarf nicht isoliert pro Niederlassung betrachtet werden. Zu klären ist, welche Daten zwischen den Standorten ausgetauscht werden und ob zentrale Anwendungen, Server oder Cloud-Plattformen von allen Niederlassungen genutzt werden.

Wichtige Fragen sind:

  • Greifen mehrere Standorte auf dieselben zentralen Systeme zu?

  • Werden große Dateien regelmäßig zwischen Niederlassungen übertragen?

  • Gibt es zentrale Datensicherungen oder Serverdienste?

  • Arbeiten Beschäftigte regelmäßig mobil oder aus dem Homeoffice?

  • Welche Anwendungen müssen auch bei hoher Auslastung nutzbar bleiben?

  • Welche Folgen hätte eine eingeschränkte oder unterbrochene Verbindung?

  • Entsteht durch eine zentrale Anbindung ein gemeinsamer Engpass?

Wenn ein eigener Glasfaseranschluss für das Gebäude vorgesehen ist, bietet die Wissensseite Glasfaser-Hausanschluss weiterführende Informationen.

Checkliste: So bereiten Sie die Bedarfsermittlung vor

Beantworten Sie vor der Auswahl eines Anschlusses möglichst konkret die folgenden Fragen:

  • Wie viele Mitarbeitende nutzen die Verbindung insgesamt?

  • Wie viele davon arbeiten typischerweise gleichzeitig online?

  • Welche Anwendungen sind für den täglichen Betrieb erforderlich?

  • Wie viele Videokonferenzen finden häufig parallel statt?

  • Werden regelmäßig große Dateien hoch- oder heruntergeladen?

  • Welche Cloud- und SaaS-Dienste werden eingesetzt?

  • Werden externe Backups durchgeführt? Wenn ja, in welchen Zeitfenstern?

  • Betreibt das Unternehmen eigene Server oder von außen erreichbare Dienste?

  • Müssen mehrere Standorte oder externe Arbeitsplätze angebunden werden?

  • Welche Anwendungen reagieren besonders empfindlich auf Verzögerungen?

  • Wie werden sich Nutzerzahl und Anwendungslandschaft voraussichtlich entwickeln?

  • Wie hoch ist die aktuelle Auslastung, und wann treten Engpässe auf?

  • Welche Folgen hätte eine Störung für wesentliche Geschäftsprozesse?

  • Muss die Anschlussleistung später erweitert werden können?

  • Welche Up- und Downloadwerte sind am Standort tatsächlich verfügbar?

  • Welche Leistungsmerkmale sind im jeweiligen Angebot verbindlich beschrieben?

Die Antworten bilden eine bessere Entscheidungsgrundlage als die Mitarbeiterzahl allein. Wenn bereits ein Anschluss vorhanden ist, sollten zusätzlich Auslastungsdaten und wiederkehrende Engpasszeiten ausgewertet werden.

Häufige Fehler bei der Bandbreitenplanung

Die Entscheidung ausschließlich am Preis ausrichten

Ein günstiger Anschluss ist nicht automatisch wirtschaftlich, wenn die verfügbare Leistung wesentliche Arbeitsabläufe beeinträchtigt. Ebenso ist der teuerste oder nominell schnellste Anschluss nicht zwangsläufig die passende Wahl.

Nur den Download betrachten

Cloud-Synchronisationen, Backups und das Versenden großer Datenmengen können den Upload beanspruchen. Dieser sollte deshalb separat betrachtet werden.

Die Mitarbeiterzahl als alleinige Berechnungsgrundlage verwenden

Nicht jede Person nutzt dieselben Anwendungen oder erzeugt dieselbe Last. Abteilungen, Arbeitsweisen und zeitliche Überschneidungen sollten differenziert betrachtet werden.

Wachstum nicht berücksichtigen

Neue Beschäftigte, zusätzliche Standorte oder weitere Cloud-Anwendungen können das Nutzungsprofil verändern. Die Lösung sollte deshalb nicht ausschließlich für die aktuelle Situation ausgelegt sein.

Durchschnittswerte mit Lastspitzen verwechseln

Eine im Tagesmittel geringe Auslastung schließt Engpässe nicht aus. Entscheidend ist auch, was während paralleler Meetings, Sicherungsläufe oder großer Dateiübertragungen geschieht.

Anschlussgeschwindigkeit als einziges Kriterium behandeln

Für bestimmte Unternehmensanwendungen können neben der Bandbreite auch Uploadleistung, Verzögerungen, Schwankungen und die konkrete Ausgestaltung des Anschlusses relevant sein. Welche Merkmale tatsächlich zugesichert werden, ergibt sich aus dem jeweiligen Angebot und den Vertragsunterlagen.

Wer die Grenzen kupferbasierter Anschlüsse einordnen möchte, findet weitere Hintergründe unter Warum DSL und Kupferanschlüsse an Bedeutung verlieren.

Die passende Bandbreite entsteht aus dem Nutzungskonzept

Die richtige Planung beginnt nicht mit einer möglichst hohen Zahl, sondern mit den Geschäftsprozessen: Welche Anwendungen werden genutzt? Wie viele Personen arbeiten gleichzeitig? Welche Daten werden übertragen? Und wie entwickelt sich das Unternehmen?

Eine zu knapp dimensionierte Verbindung kann Arbeitsabläufe beeinträchtigen. Eine unnötig groß dimensionierte Lösung kann dagegen vermeidbare Kosten verursachen. Ziel ist ein Anschluss, der zum tatsächlichen Bedarf passt und bei veränderten Anforderungen angepasst werden kann.

Eine Übersicht der auf der Website dargestellten Themen und Lösungen finden Sie im Bereich Internet und Daten.

Häufige Fragen zur Bandbreite für Unternehmen

Wie viel Bandbreite benötigt ein Unternehmen pro Mitarbeiter?

Ein fester Wert pro Person ist nicht zuverlässig. Entscheidend ist, welche Anwendungen genutzt werden, wie viele Personen gleichzeitig arbeiten und welche Datenmengen dabei übertragen werden. Die Mitarbeiterzahl ist nur eine von mehreren Planungsgrößen.

Reicht ein Standard-Business-Tarif für ein kleines Unternehmen?

Das lässt sich nicht allein anhand der Unternehmensgröße beurteilen. Bei überwiegender E-Mail- und Webnutzung entstehen andere Anforderungen als bei mehreren parallelen Videokonferenzen, umfangreicher Cloud-Nutzung oder regelmäßigen Backups.

Warum ist die Uploadgeschwindigkeit für Unternehmen wichtig?

Unternehmen übertragen häufig Daten nach außen, etwa bei Cloud-Backups, Videokonferenzen, Datei-Uploads oder der Bereitstellung eigener Dienste. Deshalb sollte neben dem Download auch der tatsächlich verfügbare Upload geprüft werden.

Ist Glasfaser für jedes Unternehmen erforderlich?

Ob Glasfaser erforderlich oder wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt von Verfügbarkeit, Anwendungen, Datenvolumen, Wachstumsplanung und der Bedeutung der Verbindung für den Betrieb ab. Die Entscheidung sollte auf dem konkreten Nutzungsprofil beruhen.

Wie viel Reserve sollte eingeplant werden?

Eine pauschale Reserve lässt sich ohne Kenntnis des Nutzungsprofils nicht seriös angeben. Berücksichtigt werden sollten geplantes Wachstum, zusätzliche Anwendungen, wiederkehrende Lastspitzen und die Möglichkeit, den Anschluss später zu erweitern.

Wie lässt sich der aktuelle Bedarf ermitteln?

Hilfreich sind Auslastungsdaten des bestehenden Anschlusses, getrennt nach Up- und Download sowie nach Tageszeiten. Ergänzend sollten wiederkehrende Engpässe, parallele Anwendungen und geplante Veränderungen dokumentiert werden.

Wann sollte die Bandbreite neu bewertet werden?

Eine erneute Prüfung ist sinnvoll, wenn Mitarbeitende oder Standorte hinzukommen, neue Cloud-Dienste eingeführt werden, regelmäßig Engpässe auftreten oder größere Datenmengen übertragen werden müssen. Auch vor einem Tarif- oder Anbieterwechsel sollte das Nutzungsprofil aktualisiert werden.

Wie finden Sie eine passende Lösung?

Erfassen Sie Nutzer, Anwendungen, Datenströme, Standorte und geplantes Wachstum, bevor Sie eine konkrete Anschlussleistung auswählen. Ergänzen Sie diese Bestandsaufnahme um Messwerte des vorhandenen Anschlusses und die am Standort verfügbaren Optionen.

Wenn Sie Ihre Anforderungen mit GFU besprechen möchten, können Sie über die Kontaktseite eine Anfrage stellen. Ob und in welchem Umfang GFU eine technische oder tarifliche Bedarfseinordnung anbieten kann, lässt sich anschließend für den konkreten Fall klären.

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