Glasfaser bei Stromausfall: Was eine USV absichern kann

Eine unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) kann Ihre lokale Netzwerktechnik bei einem Stromausfall für eine begrenzte Zeit versorgen. Sie garantiert jedoch keinen funktionierenden Internetzugang: Auch die Technik des Anbieters, weitere Netzwege und die benötigte Anwendung müssen verfügbar sein. Planen Sie deshalb die gesamte Verbindungskette und ein klares Ziel für den Notbetrieb.

Die Glasfaser selbst benötigt entlang der passiven Faserstrecke keine Stromversorgung. Die aktiven Geräte an den Enden brauchen sie sehr wohl. Ein Notebook mit vollem Akku bleibt nicht online, wenn ONT oder Router ohne Strom sind.

Welche Geräte gehören an die USV?

Erstellen Sie eine Bestandsliste vom Anschluss bis zum benötigten Arbeitsplatz. Ein separates Glasfasermodem beziehungsweise ONT, der Router, eine zusätzliche Firewall und der relevante Switch können jeweils einen eigenen Stromanschluss besitzen. Falls Telefonie oder WLAN weiterlaufen sollen, gehören deren notwendige Komponenten ebenfalls in die Betrachtung.

Bei Power over Ethernet (PoE) versorgt der Switch beispielsweise Access Points oder Telefone. Diese Last muss in der USV-Planung berücksichtigt werden. Zählen Sie dieselben Verbraucher nicht doppelt: Wird die gesamte Leistungsaufnahme eines PoE-Switches am Eingang gemessen, sind die darüber versorgten Geräte darin bereits enthalten. Separat gespeiste PoE-Injektoren sind dagegen eigene Verbraucher.

Prüfen Sie außerdem lokale Abhängigkeiten wie DNS, Authentifizierung oder eine Telefonanlage. Eine leuchtende Router-LED beweist nicht, dass der benötigte Geschäftsprozess funktioniert. Bei einem Managed Router sollte die Stromversorgungsplanung mit der zuständigen Betreuung abgestimmt sein.

Die Versorgungskette sichtbar machen

Strom für die Verbindung. ONT / Glasfasermodem: Optische Übergabe – falls separat vorhanden. Router und Firewall: Verbindung und Sicherheitsfunktionen. Switch / PoE: Einschließlich versorgter Telefone und APs. Benötigte Dienste: WLAN, Telefonie, DNS und Arbeitsplatz. Die USV versorgt keine entfernte Anbietertechnik.

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Eigene schematische Darstellung. Der tatsächliche Gerätebestand kann abweichen.

Ordnen Sie jeden Verbraucher einer versorgten Steckdose, einem Standort und einer verantwortlichen Person zu. Manche USV-Geräte besitzen sowohl batteriegestützte als auch reine Überspannungsschutz-Ausgänge. Prüfen Sie die konkrete Belegung anhand der Herstellerunterlagen. Ein Gerät am falschen Ausgang fällt bei Netzausfall trotz vorhandener USV aus.

Stimmen Sie das Ziel ab: Soll die USV kurze Unterbrechungen überbrücken, ein geordnetes Herunterfahren ermöglichen oder einen definierten Notbetrieb tragen? Diese Ziele führen zu unterschiedlichen Anforderungen an Laufzeit und angeschlossene Geräte.

Leistung und Laufzeit getrennt dimensionieren

Die USV muss die benötigte Leistung liefern und genügend Energie für die gewünschte Dauer bereitstellen. Watt und Voltampere sind unterschiedliche Angaben; prüfen Sie beide Grenzwerte des konkreten Geräts. Eine hohe VA-Zahl allein sagt nicht, wie viele Minuten Ihr Netz weiterläuft.

Der USV-Auswahlleitfaden von Schneider Electric/APC erläutert den Zusammenhang zwischen Last, Leistungsreserve und Laufzeit. Nutzen Sie für die Auswahl die Hersteller-Laufzeitkurve zur realen Last und vorgesehenen Batteriekonfiguration. Batteriezustand, Temperatur und Laständerungen beeinflussen das Ergebnis.

Fiktives Rechenbeispiel: ONT 10 W, Router/Firewall 25 W und ein Switch einschließlich seiner versorgten Geräte 65 W ergeben zusammen 100 W. Für 30 Minuten wären rechnerisch 50 Wh an die Verbraucher abzugeben. Diese Rechnung ist nur eine Energiebilanz, keine ausreichende Batterie- oder Produktauslegung: Wirkungsgrad, Eigenverbrauch, Entladeverhalten und Alterung sind darin nicht berücksichtigt. Aus „50 Wh“ folgt deshalb keine zugesagte halbe Stunde Betrieb.

Messen Sie repräsentative Lasten und beziehen Sie Spitzen sowie geplante Erweiterungen ein. Für Einbau, Elektroanschluss und Wartung gelten die Herstelleranforderungen; Arbeiten an der elektrischen Anlage gehören in fachkundige Hände.

Wo die lokale USV nicht hilft

Ihre USV versorgt keine entfernte Vermittlungs- oder Anbietertechnik und repariert keine beschädigte Leitung. Bei einem größeren Stromausfall können weitere Teile des Netzes oder andere Dienste ausfallen. Welche Notstromvorsorge auf der Anbieterseite besteht, muss für den konkreten Anschluss geklärt werden; aus der Bezeichnung Glasfaser folgt keine bestimmte Überbrückungszeit.

Auch ein Mobilfunk-Backup ist nicht vollständig unabhängig vom Stromnetz. Das lokale Mobilfunkgerät braucht Energie, und die Funkversorgung kann bei einem großflächigen Ereignis eingeschränkt oder ausgelastet sein. Planen Sie USV und Backup-Anschluss deshalb als unterschiedliche Maßnahmen. Für wichtige Kontakte kann zusätzlich ein abgestimmter Kommunikationsweg außerhalb der lokalen IT erforderlich sein.

Halten Sie fest, welche Anwendungen im Notbetrieb entfallen dürfen. Das gezielte Versorgen weniger kritischer Geräte kann sinnvoller sein, als jede Steckdose im Netzwerkschrank abzusichern.

Checkliste für einen kontrollierten USV-Test

  1. Ziel, Testfenster und Verantwortliche festlegen; Betroffene informieren.
  2. Gerätebestand, Last, Batteriezustand und Herstellerhinweise prüfen.
  3. Sicheren Testablauf und Rückkehrplan mit der zuständigen IT beziehungsweise Elektrofachkraft abstimmen.
  4. Unterbrechung nur im vorgesehenen Testverfahren simulieren; keine unkontrollierten Eingriffe in die Gebäudeversorgung.
  5. Nicht nur LEDs prüfen: Internetzugriff, Telefonie, WLAN und benötigte Anwendung tatsächlich testen.
  6. Alarmierung, verbleibende Laufzeit und gegebenenfalls geordnetes Herunterfahren beobachten.
  7. Rückkehr zum Normalbetrieb, Wiederaufladung und dokumentierte Abweichungen kontrollieren.

Ein kurzer erfolgreicher Umschalttest beweist noch nicht die gewünschte Laufzeit. Ein Laufzeittest muss separat geplant werden, damit die Entladung nicht selbst zum ungeplanten Betriebsausfall führt. Legen Sie Wartungs- und Wiederholungsintervalle anhand der Herstellerangaben und Ihrer Betriebsanforderungen fest.

Häufige Fragen

Funktioniert VoIP bei Stromausfall weiter?

Nur wenn sämtliche benötigten lokalen Komponenten, der Anschluss und der Telefoniedienst verfügbar bleiben. Prüfen Sie auch Telefonversorgung, Basisstationen und gegebenenfalls lokale Telefonanlage. Eine USV am Router allein reicht nicht immer.

Reicht es, die Wattangaben auf Netzteilen zu addieren?

Diese Angaben können Maximalwerte beschreiben und weichen von der tatsächlichen Last ab. Erfassen Sie zusätzlich geeignete Messwerte und Lastspitzen. Die endgültige Auswahl muss zu Leistungsgrenzen und Laufzeitkurven passen.

Ersetzt eine USV einen zweiten Internetanschluss?

Nein. Eine USV adressiert die lokale Stromversorgung; ein zweiter Anschluss einen anderen Übertragungsweg. Ob beide Maßnahmen zusammen funktionieren, prüfen Sie in einem abgestimmten Failover-Test.

Anschluss und Notbetrieb abstimmen

Besprechen Sie Anbindung und mögliche Ersatzwege mit GFU. Die USV-Auslegung und elektrische Umsetzung stimmen Sie mit Ihrer zuständigen IT und geeigneten Fachkräften ab.

Quellen und Prüfstand

Fachlicher Stand: 7. Oktober 2026. Grundlage zur USV-Dimensionierung: Schneider Electric/APC, oben verlinkter Auswahlleitfaden. Verbraucherliste, Checkliste und Zahlenbeispiel sind eigene Planungshilfen, keine gerätespezifische Laufzeitzusage.

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